The History Boys

Juni 17, 2008

Alan Bennetts überaus gescheites und spritziges Theaterstück über eine Gruppe fast schon erwachsener Schüler, die sich unter der Anleitung dreier sehr verschiedener Lehrer auf die Aufnahmeprüfungen für Oxford und Cambridge vorbereiten, war in London und New York ein großer Hit und bekam zahlreiche Preise. Für die Schule eignet es sich im besonderen Maße, vor allem, wenn man es mit wirklich guten Schülern liest.

Ich habe es mit einem ausgehenden Grundkurs und einem beginnenden Leistungskurs gelesen und großen Erfolg damit gehabt. Für den Grundkurs war es am oberen Ende der Fähigkeiten, der Leistungskurs ist voll auf das Stück abgefahren.

Das Stück spielt in einer Schule, in der es gewissermaßen ideal zugeht – begeisterte und höchst fähige Lehrer kümmern sich um eine kleine Gruppe auserlesener Schüler, die sich durch großen Wissensdurst und freche Eloquenz auszeichnen. Wie bereitet man sich richtig auf Prüfungen vor? Ist Wahrheit wichtiger als Präsentation? Darf man Fakten einen „spin“ geben, um brillianter auszusehen? Was ist ein guter Lehrer? Was passiert, wenn sich herausstellt, dass ein bewunderter Lehrer gleichzeitig geradezu katastrophal fehlerhaft ist?

All diese Themen berühren die Schüler und handeln ja gerade von ihrer Situation. Das einzige, was Schwierigkeiten bereiten kann, ist, dass die wichtigsten Figuren alle mehr oder weniger schwul sind. Aber wir haben ja alle keine homophoben Schüler, oder? Den Jungs war dennoch mitunter sichtlich unwohl.

Das Stück lebt unter anderem davon, dass es tief in der literarischen und historischen Tradition Englands verwurzelt ist – für die Schüler ist das zunächst einmal alles All Greek. Wir haben im Leistungskurs das Problem so gelöst, dass jeder zu einem Thema (1. Weltkrieg in der Literatur; W.H. Auden; Elizabeth I) ein „Cheat Sheet“ erstellt hat, auf dem die wichtigsten oberflächlichen Informationen gesammelt waren. Die meisten davon waren recht gut (und das Thema des Bluffens und geschickten Verpackens kommt im Stück selbst vor) – und jetzt, ein halbes Jahr später, zeigt sich, dass doch so einiges hängengeblieben ist. „The transmission of knowledge is in itself an erotic act“ – dem ist im besten Falle doch mehr so, als wir selbst oft wahrhaben wollen.

Es hilft natürlich, dass Bennetts Drama hochgradig witzig ist. Und dass es eine Verfilmung mit der ursprünglichen Besetzung (mit dem genialen Richard Griffiths als ephebophilem Lehrer) gibt, die temporeich ist und gerade die schwierigen Szenen sehr erhellend vor Augen führt.

Also: taugt der Kurs auch nur ansatzweise was, raus mit Arthur Miller und rein mit Alan Bennett!

Alan Bennett: The History Boys

Einige meiner Ideen und Arbeitsmaterialien finden sich auf meinem Blog.

Sabine Hagenauer (vorname.name@gmail.com)

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