A Rose for Emily

Januar 19, 2009

ist eine Kurzgeschichte von William Faulkner, in der anläßlich der Beerdigung einer alten Dame eine ganze Kleinstadt ihr Leben Revue passieren lässt. Um dann eine grausige Überraschung zu erleben…Jahrzehntelang konnte man über Miss Emily Grierson, die zuletzt ihr Haus überhaupt nicht mehr verlassen hatte, nur Vermutungen anstellen – das hat die Bewohner von Jefferson, Mississippi, jedoch nicht davon abgehalten, sich nach Kräften über sie das Maul zu zerreißen. Die Griersons, so die gängige Meinung, hielten sich seit jeher ja schon für etwas Besseres; der aristokratische Antebellum-Lebensstil, in dem sie aufgewachsen war, hat sich auch schon längst überholt, und jüngere Generationen sind der Ansicht, dass auch verarmte alte Jungfern Steuern bezahlen sollen… Und überhaupt, was war damals gleich noch mit diesem Yankee Homer Barron, der sie immer in seiner Kutsche herumgefahren hat?

Faulkner beschwört in dieser Geschichte meisterhaft die klaustrophobische Atmosphäre - a neighbourhood of voluntary spies - einer Kleinstadt  im Umbruch. Allein die Erzählsituation ist erstaunlich – der Erzähler tritt immer mit dem Pronomen „we“ auf, ist also eigentlich ein 1.Person Plural-Erzähler. Da die Stadt ja weiß, was sie weiß, wird die Geschichte in scheinbar zusammenhanglosen Zeitsprüngen erzählt, die beim ersten Lesen außerordentlich verwirren, sich aber bei näherem Hinsehen als raffinierter Plot erweisen. Da werden Fährten gelegt, silberne Bürsten und Arsen gekauft, und einmal riecht es so komisch, dass der Stadtrat einschreiten muss. 

Wir haben die eher kurze und schön schaurige Kurzgeschichte in einem LK, 13. Klasse gelesen; sprachlich ist A Rose for Emily recht anspruchsvoll, so dass man vorentlasten sollte. Ich habe einen kleinen Arbeitszirkel zu der Geschichte entworfen, der ein paar einfache literaturwissenschaftliche Techniken mit Gesprächsangeboten, Vokabelarbeit und Hintergrundinformation zum amerikanischen Süden bietet (auf Anfrage erhältlich). 

Als außerordentlich fruchtbar (und ganz, ganz mündlich!) erwies sich der Ansatz, die Geschichte als Ergebnis des stadtweiten Klatsches zu interpretieren und die Schüler die einzelnen sozialen Gruppen Jeffersons identifizieren zu lassen. Anhand einer Zeitleiste der Geschichte, die Chronik und Plot verbindet (ebenfalls auf Anfrage erhältlich), haben die Gruppen überlegt, wozu sie jeweils etwas zu sagen hätten, um sich dann Notizen zu machen und, auf einer imaginären Porch sitzend, improvisierend über Miss Emily herzuziehen. Dabei kamen wunderbare Momente heraus – die kleinen Jungs, die Homer Barron bewundern und Miss Emily für eine Hexe halten, die älteren und jüngeren Damen der Stadt, die verschiedene Moralansichten haben und diese auch deutlich kundtun, die Stadträte, denen es unangenehm ist, dass sie vor Miss Emily die Waffen strecken mussten, und schließlich die schwarze Bevölkerung Jeffersons, die in der Kurzgeschichte natürlich nicht zu Wort kommt, aber im Klassenzimmer endlich mal alles aufklären darf.

Aufgrund der regen Beteiligung an der Improvisation und am sonstigen Unterrichtsgespräch habe ich den Eindruck gewonnen, dass den Schülern die Geschichte gut gefallen hat; auf Nachfrage stellte sich dann heraus, dass sie einigen eigentlich zu grausig war, andere die verwirrende Struktur trotz unserer gemeinsamen Aufdröselung ärgerlich fanden; eine Schülerin sagte, dass ihr das Erzählerkollektiv persönlich so unangenehm war in seiner Klatschsucht, dass sie sich von der Geschichte abgestoßen fühlte. Dafür haben sie aber alle sehr engagiert mitgemacht.

Ich persönlich werde in Zukunft sicher mehr Faulkner lesen.

A Rose for Emily, online

Sabine Hagenauer

vorname.nachname@gmail.com

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23 Antworten zu “A Rose for Emily”

  1. angelika niemeyer Sagt:

    liebe kollegin,
    kann ich bitte die zusatzmaterialien bekommen fuer unterrichtsbesuch? danke!
    angelika niemeyer

    • Ursula Rottmann-Kölling Sagt:

      Liebe Kollegin,
      die Beschreibung zu der Faulkner-Gescichte hört sich sehr gut an. Kann ich bitte die
      Zusatzmaterialien bekommen?
      Vielen Dank!

  2. Gundula Rommel Sagt:

    Hallo,

    sehr sehr schöne und treffende Beschreibung!
    Auch ich hätte gern die Zusatzmaterialien zwecks Einsatz in meinem Grundkurs.
    Vielen Dank!

  3. Marie Kramer Sagt:

    Hallo,

    hört sich interessant an. Ich habe trotz anfänglicher Zweifel auch gerade schöne Erfahrungen mit Faulkner gemacht. Über die Zusendung der Zusatzmaterialien würde ich mich sehr freuen.
    Vielen Dank.

  4. Stefanie Spring Sagt:

    Hallo,

    Ich behandele auch gerade A Rose for Emily in einem Grundkurs.
    Die verwendeten Unterrichtsmaterialien hören sich spannend an – über eine Zusendung der Zusatzmaterialien würde ich mich sehr freuen.
    Vielen Dank!

  5. Ilse Forstreuter Sagt:

    Hallo, liebe Kollegin,
    ich behandle in allernächster Zukunft die Kurzgeschichte im Gk und hätte gern die Zusatzinformationen.
    Vielen Dank,
    Ilse

  6. martin Sagt:

    Hallo,
    ich würde mich auch sehr über die Zusendung von Zusatzmaterial freuen. Ich behandle die Kurzgeschichte in naher Zukunft auch mit meinem Grundkurs. Vielen Danke im voraus.

  7. Sofia Sagt:

    Hallo, liebe Kollegin!
    Falls Sie nicht komplett überlastet sind mit der Nachfrage nach dem Zusatzmaterial, würde auch ich mich dafür sehr interessieren und freuen es zugesendet zu bekommen. Ich unterrichte gerade im Grundkurs 12, wo es nach den Richtlinien vorgegeben ist, diese Geschichte zu lesen. Eine Auflockerung wie beschrieben täte gut! Vielen Dank im Voraus!

  8. Jürgen Sagt:

    Hallo,
    ich möchte mich meinen Vorrednern anschließen. Der Ansatz klingt sehr spannend. Daher würde auch ich mich über die Zusendung des Materials sehr freuen. Vielen Dank im Voraus!

  9. mrs. h. Sagt:

    In welchem Bundesland ist diese short story denn Pflichtlektüre? Das halte ich persönlich, bei aller guten Erfahrung, für eine eher nicht so gute Idee.

  10. Ilse Forstreuter Sagt:

    Vielen Dank, die Arbeitsblätter sind sehr hilfreich, die story ist so vielschichtig, dass man ein ganzes Halbjahr damit verbringen könnte – na ja leicht übertrieben. ilse

  11. Ilse Forstreuter Sagt:

    pflicht in Niedersachsen

  12. Markus Steiger Sagt:

    Hallo,
    ach ich hätte großes Interesse an den Zusatzmaterialien und würde mich über eine Zusendung sehr freuen. Danke!

  13. Jürgen Sagt:

    Leider habe ich noch kein Material erhalten. Ich wäre tatsächlich sehr dankbar dafür! Danke!

  14. Heike Sagt:

    Um die Pflichtlektüre für meinen Grundkurs etwas aufzulockern, bin auch ich sehr an den Materialien interessiert. Vielen Dank im Voraus!

  15. Chris Sagt:

    Mann der Blog is toll !! Bitte schick mir die Zusatzmaterialien zu A Rose for Emily.
    Best wishes, Chris.

  16. Melina Sagt:

    Würde mich über eine Zusendung der Zusatzmaterialien sehr freuen.
    Liebe Grüße
    Melina

  17. Olaf Sagt:

    Auch ich würde mich über die Zusatzmaterialien sehr freuen.
    Herzliche Grüße
    Olaf

  18. Julia Sagt:

    Hallo,
    ich wuerde die Zusatzmaterialien auch sehr gerne haben. Das klingt alles sehr spannend!
    Vielen Dank,
    Julia

  19. Holger Sagt:

    Hallo,
    Gerade als Referendar würde ich mich auch sehr über die Zusatzmaterialien freuen. Man kann ja nie genug Ideen bekommen, wie man den Unterricht auflockern kann…
    Danke
    Holger

  20. Hartmut Sagt:

    Liebe Kollegin,

    ich schließe mich den Wünschen meiner Kollegen an, Ihre Zusatzmaterialien zugesendet zu bekommen, bedanke mich im Voraus und wünsche einen erholsamen und erlebnisreichen Sommer.

    Herzliche Grüße aus Jena

    Hartmut

  21. Reinald Sagt:

    Verehrte Kollegin,
    über die Zusendung des Zusatzmaterials würde ich mich sehr freuen.

    Herzlichen Gruß aus München

    Reinald

  22. Deborah Stein Sagt:

    Liebe Kollegin,

    die von dir vorgestellte Story hört sich interessant an und könnte sicher auch in meinen LK passen. Es wäre sehr schön, wenn du mir die Zusatzmaterialien schicken könntest.

    Liebe Grüße

    Deborah


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